Ein Dankeswort zu meinem Projekt: Emmausweggespräch zwischen Pfarrvikar Francis Mathew und einem seiner Freunde aus Kerala

Liebe Schwestern und Brüder, ab Ostermontag habe ich einige Tage einen Mitbruder besucht. Auf unserem Emmausweg sprachen wir über mein Projekt zu den sieben letzten Worten Jesu. Später haben wir es zusammen aufgeschrieben. Doch zunächst mein Dank an Sie alle, die Sie mitgewirkt haben, dass das Projekt gelingt:

Foto: Pfarrbriefservice

Dieser Fastenweg mit den sieben Worten Jesu  war mein Pastoralprojekt während der Einführungszeit in die Arbeit als Priester in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Vielen Dank an alle, die daran mitgewirkt haben: die Künstlerin Gertrud Brobeil-Mayer, die Familie der Künstlerin Ingeborg Neef, Pfarrer Klaus Rennemann, Gemeindereferentin Gudrun Heberle, das Kindergartenteam, die Kolpingsfamilie, die Minis und die Kolpingjugend, Auszubildender zum Ständigen Diakonat Markus Röhrenbach, Dr. Claudia Hofrichter, die Kommunionkinder mit ihren Familien, Heather und Werner Staub. Jede und jeder hat auf eigene Weise eines der sieben Worte so kreativ umgesetzt. Ich habe jeweils geistliche Impulse dazu geschrieben. Ich hoffe, dass ich Sie mit diesen Impulsen ein wenig durch die Fastenzeit begleiten konnte. Was wir in Gärten, an öffentlichen Plätzen, in der Kirche und an Fenstern bewundern konnten, war ein wenig Kirche an unterschiedlichen Orten. So wirkt Kirche in die Gesellschaft hinein.

 

Nun zu dem, was mein Freund und ich gesprochen haben:

Freund:
Francis, wie schön, dass du mich besuchst, und wie schön, dass wir heute miteinander unterwegs sein können und unseren Emmausweg gehen.

Francis:
Ja, darüber freue ich mich auch. Und ich möchte dir gerne ein wenig erzählen, was ich in der Fastenzeit in Ergenzingen erlebt habe.

Freund:
Da bin ich gespannt.

Francis:
Du kennst das ja. Jeder von uns macht in der Einführungszeit in die Diözese ein pastorales Projekt. Meines war zu den letzten sieben Worten Jesu. – Pfarrer Rennemann hatte die Idee dazu und sie hat mir gleich gut gefallen. Durch die Pandemie musste ich den ursprünglichen Plan, etwas zu Kirche und Sport zu machen, aufgeben. Der Plan war nun, dass wir jeden Fastensonntag und an Ostern eines der Worte kreativ in Gärten umsetzen und für die heutige Zeit interpretieren. Dazu wollten wir Menschen aus der Gemeinde gewinnen, die Lust dazu haben, ein Wort auszuwählen und sich damit zu beschäftigen. Meine Aufgabe war dann die Koordination, die Begleitung der Akteur/-innen, das Schreiben der geistlichen Impulse zu den kreativen Umsetzungen.

Freund:
Das ist eine tolle Idee gewesen. Kreative Begabungen von Menschen mit der Fastenzeit und einen geistlichen Weg zu verbinden. Welche Erfahrungen hast du gemacht.

Francis:
Meine Erfahrungen waren vielfältig. Unter Pandemiebedingungen ein Projekt zu machen, ist sensibel.
Einige der Mitwirkenden waren ganz schnell entschieden mitzumachen, andere brauchten etwas Zeit zur Entscheidung. Das ist ja ganz normal.
Mit den Gärten bzw. draußen etwas aufzubauen, war das so eine Sache. Es gab plötzlich Stimmen, die sagten, alles müsse ich die Kirche, weil es da mehr Leute sehen würden. Ziel war ursprünglich jedoch „Kirche an vielen Orten“ zu sein und Menschen in Bewegung zu bringen, bei ihrem Spaziergang zu diesen Orten bzw. Gärten zu gehen, um zu schauen. Kirche an vielen Orten zu sein und immer mehr zu werden, war der Gemeinde während des diözesanen Entwicklungsprozesses wichtig. So sollten unterschiedliche Orte der Gemeinde auch als Heimat wahrgenommen werden können. So hatte ich es verstanden. Für uns entsprach genau das auch den Rahmenbedingungen der Pandemie am Besten.

Freund:
Das war eine interessante Entwicklung für dich.

Francis:
Ja, jeder hat die Lösung gewählt, die er/sie am Besten in seiner/ihrer Situation umsetzen konnte und wollte. Das war ja auch gut. Doch ganz aufgegeben habe ich diesen ursprünglichen Plan nicht. Vier Worte Jesu wurden auch draußen umgesetzt. Auf dem Kirchplatz, am Marktplatzbrunnen und in zwei Gärten.

Freund:
Höre ich bei dir etwas Enttäuschung?

Francis:
Nein, nicht Enttäuschung. Ich glaube, in der Kommunikation ist vermutlich ein wenig was untergegangen. Und natürlich war alles, was andere sagten, ebenso überzeugend wie die ursprüngliche Idee.
Mich hat auf jeden Fall begeistert, dass viele über das Projekt gesprochen haben. Es wurde wahrgenommen und darüber diskutiert. Und das inhaltliche Engagement war groß. Das hat mir gefallen.

Freund:
Das ist gut, wenn viele drüber reden und aufmerksam darauf geworden sind.

Francis:
Genau: Zu jeder Installation und zu jedem Wort Jesu habe ich einen geistlichen Impuls auf der Homepage der Gemeinde geschrieben. Das hat mir viel Spaß gemacht und mir zusätzlich die Möglichkeit gegeben, alles, was ich in der deutschen Sprache gelernt hatte, anzuwenden.

Freund:
Also gleich doppelter Effekt. Und wunderbar, dann kann ich ja einiges nachlesen.

Francis:
Ja, und es gibt auch jedes Mal Fotos dazu.

Freund:
Dann bekomme ich ja einen richtig guten Einblick. Vielleicht ist das ja was für meine Gemeinden im nächsten Jahr.
Francis, jetzt sag‘ mal noch, wenn du ein Resümee ziehen solltest über das Projekt, was würdest du da sagen?

Francis:
Es war mein erstes pastorales Projekt in Deutschland. Ich habe dabei viel gelernt, was gerade auch an Kleinigkeiten zu bedenken ist und was ich auf keinen Fall vergessen durfte. Ich bin dabei Menschen mit ihren tollen Begabungen und Gedanken begegnet. Ich war immer wieder erstaunt über die Ideen und Einfälle zu den Worten Jesu. Das war für die Gemeinde eine Bereicherung. Ich habe gespürt wie wichtig es ist, die Botschaft Jesu in die heutige Zeit zu übersetzen. Wie wichtig es ist, zu überlegen, was das Evangelium in der aktuellen Situation bedeutet, wie es in unser Leben hineinwirken kann, uns wachhalten, uns aufrütteln, und Kraft geben und Mut machen. Ich habe auch gelernt, dass pastorale Projekte in Deutschland ein anderes Gewicht haben als in unserer Heimat Kerala. Für das Kirchenverständnis und Kirche sein in Deutschland ist es wichtig, mit Ideengeber/-innen gut verbunden zu sein. Das gefällt mir super gut. Und ich bin fasziniert von dem Plan der Diözese, dass die Gemeinden zu Kirche an vielen Orten werden sollen. Das bedeutet eine Umstellung: Das bedeutet, aus dem Kirchenraum zu gehen an ungewohnte Orte. Dazu muss man alte Gedanken aufgeben und neue zulassen. Außerhalb des Kirchenraumes und außerhalb der Gemeinderäume trifft man nochmal ganz andere Menschen. Es geht in Deutschland stark darum, zu den Menschen zu gehen und nicht zu erwarten, dass sie zu einem in den Kirchenraum oder die Gemeinderäume kommen. Ich habe die Gemeinde ja nur in Pandemiezeiten erlebt, doch ich habe gehört, dass das Bibelleseprojekt, jeden Tag Gastgeber an einem anderen Ort außerhalb der Kirchenräume zu haben, in Ergenzingen und Baisingen seit einigen Jahren so gut angenommen wird. Vielleicht wäre das auch was für dich.

Freund:
Darüber sprechen wir bei deinem nächsten Besuch. Francis, danke für diese Einblicke in dein Projekt und deine Erfahrungen. Es ist richtig kalt geworden. Nun lass uns Teatime halten.

Pfarrvikar Francis Mathew Kottharathil