Halbzeit auf Pfingsten zu: Gott ist größer als unser Herz - ein Impuls der Kolpingsfamilie zum 5. Sonntag der Osterzeit 2021

Kim und Toni treffen noch bis Pfingsten viele Menschen und reden mit ihnen über Gott und die Welt. Die großen und kleinen Themen des Lebens interessieren sie sehr.

Foto: C. Hofrichter

Kim:
Jetzt sind wir schon eine Woche bei Peter und Birgit und hatten viele Begegnungen.

Toni:
Ja, und ich hoffe, dass Birgit uns heute wieder an die Ecke stellt, nachdem sie uns für die Nacht zum 1. Mai zu sich auf die Terrasse eingeladen hat, damit wir gut ruhen können.

Kim:
Ja, ich habe wirklich nichts mitbekommen, dass es heute Nacht unruhiger war.

Toni:
Es ist schon lustig, wenn die Menschen neugierig schauen, was auf unserer Dose steht und dann reinschauen und sich gerne eine Süßigkeit mitnehmen.

Kim:
Das ist immer wieder nett. Du, ich möchte noch einmal das interessante Gespräch Revue passieren lssen, das wir diese Woche hatten.

Toni:
Da hat jemand den ersten Johannesbrief zitiert: „Gott ist größer als unser Herz und weiß alles.“

Kim:
Welche Weite drückt doch dieses Wort aus dem ersten Johannesbrief aus. Mit diesem Wort lässt sich befreit durch das Leben gehen. Gott weiß um den Zustand unserer Welt, unserer Gesellschaft, unserer Politik, unserer Kirche, um die Seelenregungen jedes einzelnen Menschen. Gott weiß um unsere Wertungen und Bewertungen von Menschen und Situationen, Gott kennt unsere Barmherzigkeit und unsere Unbarmherzigkeit gegenüber vielem, was uns stört. Gott weiß um die Grenzziehungen, die oft passieren, wenn jemand quer zu den eigenen Vorstellungen denkt oder sich verhält.

Toni:
Manchmal denke ich, dass es Gott ein Lächeln ins Gesicht zaubert, das uns sagen will: „Macht euer Herz weit, denkt groß von den Menschen und denkt groß von mir. Überlegt einmal, was euch die zu sagen haben, deren Stil und deren Vorstellungen ihr nicht mögt. Welchen Impuls geben sie euch? Stören sie euch, weil sie ein Teil dessen sind, was ihr in euch selbst kennt? Stören sie euch, weil ihr mit euch selbst nicht ganz im Reinen sind? Stören sie euch, weil sie auch nicht erreichen, was ihr erreichen möchtet?“

Kim:
Das sind keine moralisierenden Fragen, sondern Reflexionsfragen, die der Schreiber des Johannesbriefes uns implizit stellt.

Toni:
Wir haben gegenüber Gott Zuversicht – wörtlich aus dem Griechischen „Freimut“.Noch so ein traumtänzerischer Gedanke. Wer Gott so gegenübertritt, tut dies mit Mut und Stärke und einem großen Selbstbewusstsein.

Kim:
Wer so lebt, erwartet alles von Gott.

Toni:
So verstehe ich das auch. Das heißt dann, Gottes großes Herz spüren lernen und in allem sehen.

Kim:
Ja, die ganzen schwierigen Kirchenthemen würden dann vielleicht auch einfacher. Professorin Johannes Rahner und Bischof Oster haben ja ziemlich gestritten. Der Bischof hatte Johanna niedergeschmettert und ihre Worte so gedeutet, wie sie nicht gemeint waren.

Toni:
Ich habe gelesen, dass beide inzwischen miteinander gesprochen haben und eine Lösung gefunden. Ich glaube, da war Gottes größeres Herz und Gottes Geist im Spiel.

Kim:
Wenn man nur mit dem Thema „Segnung homosexueller Partnerschaften“ endlich auch den Weg des weiten Herzens Gottes gehen würde.

Toni:
Das wünsche ich mir sehr. Diese ganzen schwierigen Kirchenthemen stellen so sehr das von den Kirchenmännern beherrschte System in Frage. Wie sehr braucht es da das weite Herz Gottes.

Kim:
Und bei den ganzen gesellschaftlichen Fragen hier und den weltweiten Themen würde es auch befruchtend sein, mit den Augen und mit dem Herzen Gottes draufzuschauen.

Toni:
Wir gehen ja auf Pfingsten zu. Die frühe Kirche war ziemlich konfliktreich Das hat sich ja bis heute nicht zurecht geruggelt. Doch wenn ich die Apostelgeschichte lese und die Briefe in der Bibel, dann habe ich da immer den Eindruck, als würden die Menschen sehr nach Gottes Geist und seiner Wegweisung suchen.

Kim:
Toni, du empfiehlst uns also, Gottes Geist in die Mitte zu rücken und zu entdecken.

Toni:
Genau, das wünsche ich mir. Vielleicht können wir mit den Leuten, die diese Woche vorbei kommen, darüber sprechen.

Kim:
Gute Idee.

Text: Dr. Claudia Hofrichter