Sommerserie. Wort zum Sonntag Konflikte und Lösungswege – Zu Matthäus 18,15-20

Dieses Evangelium ist kein Kuschelkurs. Was hier mit dem Begriff der „Sünde“ eingeführt wird, läuft dann im Weiteren ganz auf die Frage zu wie sich Konflikte in der christlichen Gemeinde regeln lassen. Heute formulieren die professionellen Konfliktklärer gern „Konflikte sind normal“. Ja, damit haben sie recht.

Foto: Pfarrbriefservice. Weidemann.

Dieses Evangelium ist kein Kuschelkurs. Was hier mit dem Begriff der „Sünde“ eingeführt wird, läuft dann im Weiteren ganz auf die Frage zu wie sich Konflikte in der christlichen Gemeinde regeln lassen. Heute formulieren die professionellen Konfliktklärer gern „Konflikte sind normal“. Ja, damit haben sie recht. Konflikte haben Signalwirkung, machen aufmerksam, dass etwas nicht rund läuft, dass Interessen und Positionen von Menschen so weit auseinander gehen, dass sie nicht mehr gemeinsam handlungsfähig sind. Es braucht dann schon viel Engagement, sich auf eine Konfliktklärung einzulassen. Denn wer rückt schon gerne von seinen Positionen ab. Denkt man allerdings perspektivisch und zukunftsgerichtet, dann müsste einem der Mut zuwachsen, Konflikte lösen zu wollen.

Drei Wege bietet Matthäus an:

  • Miteinander reden, aufmerksam sein für die gegenseitigen Interessen und gemeinsam einen Weg finden.
  • Hilft das noch nicht: Zwei geeignete Zeugen dazu holen, die mit hören und Entscheidungshilfen geben.
  • Und ist man dann noch nicht im Reinen, bleibt nur noch das Plenum der Gemeinde.

Dieses Modell entstammt den Vorstellungen der damaligen jüdischen Rechtssprechung und Vorgehensweise. In diesen drei Wegen liegt eine drastische Steigerung. Der Konflikt wird von Mal zu Mal öffentlicher. Die Eskalation liegt von Mal zu Mal näher. Wird jemand noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen? Das Risiko ist hoch, doch auch das ist bei Konflikten normal. Das Risiko, keine Lösung erarbeiten zu können oder zu wollen, ist immer gegeben.

In den vergangenen Tagen stehen die Politiker in der EU vor einigen Konflikten, die nach einer Lösung schreien. Wie soll man reagieren auf den Vergiftungsversuch an dem russischen Regierungskritiker? Was handelt man sich mit welcher Reaktion ein? Wer hat dabei welche jeweils berechtigten Interessen? Was ist man bereit, es sich kosten zu lassen so oder so zu reagieren? Denn jede Reaktion hat eine Langzeitwirkung.

Diese Woche haben sich auch die Mitglieder des synodalen Prozesses an verschiedenen Orten getagt. Ihr Konfliktthema war die sog. „Frauenfrage“. Und es ist wieder einmal klar: Kein Weiheamt für Frauen in Sicht, obwohl jeder betont, dass die Zukunft der Kirche sich am Thema „Frauen und ihre Möglichkeiten in der Kirche“ entscheiden wird. Wer sich an bestimmten Stellen nicht weiterentwickeln will, wird scheitern. Die Zukunft des Themas Frau von den Aufgaben der Kirche her sehen, wird betont. Auch das ist kein neuer Gedanke. Wie anders sollten sich denn auch der gemeinsame Auftrag von Frauen und Männern entscheiden! Wer kann Christus repräsentieren?, wurde wieder gefragt. Es kann doch nicht sein, dass man da weiter selbstverliebt um sich selbst kreist. Es geht doch nicht um Jesus in seiner Männlichkeit, sondern um Jesus in seinem absolut menschenzugewandten Handeln. Und das können nur beide – Frau und Mann gemeinsam repräsentieren. Sonst fehlt dem Leib Christi Entscheidendes. Natürlich begebe ich mich mit meiner Position auf das Glatteis der Diskussionen. Manchmal habe ich dazu gar keine Lust mehr und denke „Laufen lassen“ und dann kommt wieder diese Energie zurück, die mich überzeugt sein lässt, dass es nur noch darum gehen kann wie wir die Gleichberechtigung und die gleiche Würde von Frau und Mann in der Kirche umsetzen.

Unser Evangelium endet mit der Verheißung „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Ich hoffe darauf, dass die Gegenwart Jesu Christi in der Lage ist, zu bewegen, Respekt für beide Geschlechter Priorität haben zu lassen und das Evangelium zum Maßstab zu machen  und dann sind wir wieder bei der Gleichberechtigung von Frauen und Männern angekommen. Das Evangelium löst nicht unsere Konflikte, doch es setzt den klaren Maßstab, dass Gott größer ist als unser kleines Denken.

Claudia Hofrichter

Die Sommerserie endet am 13.09.